Kurznachrichten – September 2013

– MANTES DER BRANDSTIFTER …- Heiss ist es, in Mantes-la-Jolie (78). In der Nacht 2./3. Juni brechen zwei Brände aus. Auf der Baustelle einer zukünftigen Schule haben zwei «schlechte Schüler» an neben einer Baumaschine aufgestapelten Paletten Feuer gelegt. In den Flammen standen zwei geöffnete Gasflaschen… der Knall wurde verhindert weil die Feuerwehr… wie die Feuerwehr vor Ort war. Gleichzeitig zündete jemand anders zwei Autos im unterirdischen Parkhaus eines Einkaufszentrums des Val-Fourré an. Der Brand beschädigte elektrische Installationen und verhinderte Mittwochmorgen die Öffnung von 20 (auf 80) Läden. Die Schule gegrillt, keine Maloche und keine Einkäufe: jede Altersstufe verwüstet ihren Käfig!

– KEIN VERGEBEN KEIN VERGESSEN – Es war der Aufruf zu einer Demo in Gedenken an Clément Méric, der am 6. Juni von einem Fascho getötet wurde. Sonntag 23. Juni zogen tausende Menschen von der Opéra zur Seine und dann bis Stalingrad. Neben denen, die für ihre Partei oder Gewerkschaft Werbung machten, gab es auch einige, die echt wütend waren. Menschen, die Clément nicht unbedingt kannten, ihn nicht unbedingt als ihren «Gefährten» betrachteten. Menschen, die denken, dass Faschismus nichts als eines der kranken Gesichter dieser Welt der Feinde der Freiheit ist. Dass man sich nicht für Faschismus oder Demokratie entscheidet sondern dazu, sie anzugreifen. Weil beide nichts als die brutalere und vielleicht weniger brutale aber hinterhältigere Spielart derselben Herrschaft sind. Dutzenden Banken wurden ihre Automaten zerstört, Schaufenster eingeschlagen und beschriftet, Kameras blind gemacht. Auf der gesamten Strecke haben diese herzigen Spielzeuge für KleinbürgerInnen wie Gratisleihautos, Werbetäfelchen von JCDecaux, RATP-Wartehäusschen, Telefonkabinen oder Immobilienbüros die Schläge jener erhalten, die diese Welt hassen. Kein Vergeben. Und das ist nur ein ganz kleiner Anfang.

– DAS IST UNSER ANTIFASCHISMUS – In der Nacht des 18. Juni wurden zwischen Belleville und République zwei Bankautomaten eingeschlagen und ein allzu neugieriger Citoyen hat einen Zahn verloren. Die Aktion sei Clément Méric gewidmet. In der Erklärung: «Die Stunde zum Angriff auf diese Welt ist gekommen, die den faschistischen Abschaum und seine falschen demokratischen Feinde produziert».

– «STRIKE» KNAPP VERFEHLT – In der Nacht 30./31. August in Gennevilliers (92) wird eine Bullenpatrouille knapp nicht von einem 5 kg schweren Scooter-Motorblock zerquetscht, der von oben aus einem Gebäude runter geschmissen wurde. Der Siegespunkt wurde knapp, um einen Meter, verfehlt. Versuche auch du dein Glück!

– JEDER/M IHR/SEIN VELIB’ (FREIVELO) – Der Albtraum von JCDecaux und der Bobos ( Abkürzung, aus den Wörtern bourgeois und bohémien zusammengesetzt): letztes Jahr, wie jedes Jahr auch, wurden in einem Park 9’000 von 20’000 Freivelos geklaut oder beschädigt, fast eins auf zwei, erklärt das Rathaus von Paris auf seinem Blog. Seit seiner Lancierung ist das fast dreimal der Fahrradpark, der geklaut oder beschädigt wurde. Seit 2009 bzw. zwei Jahre nach dem Anbieten der Dienstleistung wurden 18’000 Fahrräder beschädigt und 8’000 geklaut. Zum jetzigen Zeitpunkt war schon jedes einzelne der 20’000 Pariser Velib’ mindestens einmal ersetzt worden, erklärten damals JCDecaux und seine Kumpane vom Figaro. Die Erscheinung konzentriert sich heute im Wesentlichen auf den Nordosten von Paris. Auf ein Gebiet mit dem 18., 19. und 20. Arrondissement von Paris, Pantin, Aubervilliers und Bagnolet sind täglich etwa fünfzig Stationen betroffen, darum wurden etwa zwanzig davon einfach „bis auf neuen Befehl“ geschlossen, was eine Lücke für alle Bobos geschaffen hat, die die von der Gemeinde saint-bobo zur Verfügung gestellten Fahrräder befreit haben. Mut ihnen und hoch lebe der Vandalismus!

– UND EINE DEN FASCHISTEN – Etwa zehn Tage nach seiner Einweihung wurde der Aufenthaltsraum von Boulogne-Billancourt (Hauts-de-Seine) der Schweine des Front National am vergangenen 15. Juli von einem guten alten Molli aufs Korn genommen, verursachte minimale aber doch immer sympathische Schäden. Denn es freut doch immer, wenn die fascho-populistische Bande eins auf die Fresse kriegt!

– FERNSEHEN IST SCHEISSE! – Anfang Juli, erneut in Boulogne-Billancourt, wurde ein inspirierter Sechzigjähriger verhaftet nachdem er Claire Chazal einen Kübel voller Scheisse in die Fresse geschmissen hatte. Die Szene spielte sich ab als die Journiflic die Lokale von TF1 am Steuer ihres Autos verliess, wovon eine Scheibe Pech hatte offen zu sein. Claire kennt nun den Geschmack dessen, was sie uns tagtäglich in der Tagesschau auftischt.

Üb. mc, Knast Bostadel, CH-Menzingen aus franz.

Aus Lucioles, Bulletin anarchiste de Paris et sa region (Glühwürmchen, anarchistisches Bulletin von Paris und Umgebung), Sept. 2013, N.11

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